immer wenn es regnet #7

dreiundzwanzigtausendmillionen zerbrechlichkeiten.
die dichte der struktur. der füllstand der unberechenbarkeit.
man berechnet die unberechenbarkeit, heutzutage.
wenn man will, ist es ganz einfach. es ist alles ganz einfach.
einfach und zerbrechlich. so wie ich, so wie du vielleicht.
ich wäre gerne farbenblind.
tausendunendlichmillionstel unwirklichkeiten.
die stärke der ungewissheit. die farbe der unendlichkeit.
man erzeugt die unberechenbarkeit, immer wieder.
wenn die nacht dunkelblau ist. es ist alles der mond.
dunkelblau und          . so, wie damals, so, wie später vielleicht.
ich wäre gern             .
millionenunendlichmillionstel wirklichkeiten.

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immer wenn es regnet #6

tausend worte weiter aus meiner küche
wie vögel fliegen staub zu sonne
blätter aus phantasie dir hinterher geschrieben
alles von mir gefallen und verloren
zu dir gelegt erwischen uns wieder
zwischen zeilen belebt in reime getaucht
du deinen bauch ich meinen kopf
unendliche worte vergraben erinnert im regen
sie sind hier durch sieben geteilt
lauter kleine details ergeben sich flehentlich
durch uns durch in unseren gräben
hinein gesammeltes gut erlöst mit tanzen
durch diese nächte zu diesen augenblicken
geheimer verborgener welten einzelheiten verloren sich
in meiner küche wie boote stranden
sie zu mir tonnen von wirklichkeit
mir hinterher getrieben nichts zu irgendetwas
vergessen oder weggelassen nicht von irgendwo
kommt wahrheit her sie ist hier
drei schritte weiter wind atmend still
stehend mit uns ein und aus
wenn es regnet manchmal von vorn
ganz behutsam zurück vielleicht reicht es
wie es war wir gewesen sind
umkehren geht nicht mit dir zusammen
von uns weg rast es dahin
wo wir sind uns haltend verlieren
tausend worte weiter aus einer küche
wie flocken treiben mit der zeit
an uns vorbei so werden wir
das was war im damals verloren
jetzt wieder aufgetaucht tage klingen schöner
so wie du ganz klar hier
wie anker versunken auf deiner haut
in meinem kopf ich meinte herz
hör nicht auf dich zu bewegen
ich sagte nichts und doch vieles
mit null worten zustandsänderung am dienstag
ganz verträumt durchgedreht kabeljaufilet mit dir
auf dem küchentisch liegen gelassene zeilen
zwischen ihnen glück was uns hält
träume von später wache früh auf
neben mir herbst was nicht geht
müssen wir tanzen

immer wenn es regnet #4

altes material in den händen, im kopf. festhalten und weiter gehen. es geht doch noch, wieder los lassen. vermissen ohne zu fallen. tage ausrechnen, schaltjahre auslassen. heute minus viertausendfünfzehn minus zweihundertsiebzig mal vierundzwanzig. stunden durch regen.

so ganz allein neben mir
klingen die vögel anders
versuche zwischen zeiten
schwimmen im kalten meer
sinken zu boden in dieser zeit
steigen wieder auf
ganz weit

immer wenn es regnet #3

so, wie kaffee schmeckt, der mit zu kaltem wasser aufgegossen wurde, so fühlt sich das an. leben. zeile für zeile. teilweise. mit einwenig mehr von allem, ohne einwenig zu viel für genau das. alles. es muss alles stimmen. herz. abstand halten. nicht zu nah ran. nach nähe folgt unweigerlich distanz. kopf. ohne entfernung ist fast nichts zu sehen. dort hinten. mein horizont, die angst, vielleicht irgendjemands angst, jedoch nicht meine. und niemand kann etwas so sagen, wie er es meint. jeder sagt alles immer nur so, wie er es sagt. die gewalt verschiedener worte, neben einander, aufeinander gefolgt, sehr schnell, zu sehr, zwischen zeilen, zwischen amoklaufenden gefühlen auf der zunge des gegenübers. im fahrtwind wird der letzte teil der meinung verweht. parallelen der erinnerung. städte und essen. du und ich. techno und soul. kombinationslyrik. an der oberfläche, unter meiner haut. und nie wieder werden wir etwas verlieren, nur um es dann wiederzufinden, und alles, was irgendwie zu kompliziert ist, versteckt eine wahrheit, die sich nicht traut. wahrheiten ohne mut. das eine ohne das andere ist das andere ohne das eine, ist eine unendlichkeit, die zerreist, sich im schwarzen morast der wälder ergibt, zu nebel aufsteigt, der nichts unberührt lässt. verschlucken und atmen. du und ich.
und am ende bleibt die zeit. das licht und die zeit. du und ich. wo es still ist, wo nichts ist. stille, leere am horizont. erst dann kann es wieder passieren. erst dann. in irgendeiner form hätte es platz gebraucht. silhouetten aus leben. sie sehen aus wie ihr vater. vielen dank. auf wieder sehen.

und irgendwie ergibt sich das nicht in diesem sinne, sondern im herz. das ist so komisch, wie lose takte im regen hören.
so, wie der tee schmeckte, den unsere mutter, von montag bis freitag, auf der gasheizung in der küche, warmhielt. fencheltee zum frühstück. und ich höre noch immer das igitt und die grübeleien darüber, ob mutter diesen tee jemals selbst trinken würde.
so füllt sich das alles. zeile für zeile.
manchmal könnte man sich wünschen, die welt würde nur noch mit zetteln kommunizieren.

noch auf den nassen straßen dieser geschichte laufend versuche ich, es nicht zu versuchen. im dunkeln, im heimlichen nichtlicht, zufällig getrocknete apfelschalen, als gewürz für das, was gleich weich gekocht wird. das hat keinen namen, weil es keinen menschen interessiert. wortfetzen, satzstücke, einzelheiten. nicht der faden, die perlen machen den glanz. das leben als kette. eine gleichung auf einer lichtung, nur als romantisches bild. nur deshalb, weil es sich schön anhört. nur deshalb stehen wir manchmal, und viel zu selten, still. was dort steht. immer nur ein teil der gleichung. nur vor leerem grund kann etwas zu sehen sein. alles braucht platz und licht und entfernung und wieder platz zwischen allem und nähe und dunkelheit.

immer wenn es regnet #2

wenn niemand mehr die einfachen dinge aufschreibt, weil alles zu viel ist und eigentlich nichts davon einfach so passiert. alles ist abgestimmt. zufällige begegnungen werden kürzer, sterben aus.
weil es gerade nicht der richtige zeitpunkt ist,
nicht die richtige zeit.

manche dinge bekommen nur geschrieben einen sinn.
manche dinge kann ich nur schreiben, reden fällt oft schwer,
wenn es am nötigsten wäre. immer wenn es regnet.
bilder tauchen auf, auf bildern. die alten nur im kerzenlicht. vernichtete briefe, ungelesenes.
geheimnisse können viel verändern, besonders dann, wenn sich niemand mehr so ganz erinnern kann/will. es gibt geheimnisse, die nie welche hätten werden sollen.
großmütter vergessen zu viel.

immer wenn es regnet #1

ich muss übermorgen über morgen nachdenken.
immer wenn es regnet, immer wenn du weinst, immer wenn du kurz die stirn runzelst, aber trotzdem diesen weg weiter gehst, obwohl es dich, dahinten an der ecke, fast gepackt hätte.
immer dann jemanden suchen, der nicht so weit weg ist, wie du selbst. niemanden finden, der da so nah dran ist, wie nötig. etwas dazwischen versuchen, was nie klappen wird, weil du keine worte dafür findest. aus dem suchen wird ein trampeln auf der stelle, im takt der ewig ablaufenden zeit. vergangenheiten zählen, in der gegenwart plötzlich den faden verlieren, um weiter zu gehen. und wenn man keine worte findet, heißt das noch lange nichts, oder gerade dann. und wenn es keinen halt gibt, wird loslassen zur tugend. sie stellen stehendes immer fester. das ist kein scheiß, das ist der untergrund, auf den wir stehen.
immer wenn es.